Geschichte

Geschichte

Seit dem Jahr 1929 gab es in der Schweiz einige Mitglieder der Internationalen Gesellschaft für Orthopädie, die sich mit den auf den Kongressen angesprochenen Themen ausführlicher beschäftigten. Im Juli 1942 schliesslich gründeten sie den Freien Verband Schweizer Orthopäden, die spätere Schweizerische Gesellschaft für Orthopädie (SGO).

So würde niemend glauben, dass die Schweizerische Gesellschaft für Chirurgie und Medizin des Fusses eine ähnliche Vorgeschichte hat, angesichts der vorherigen Existenz des Internationalen Kollegs für Fussmedizin und -chirurgie (CIP), das Jean Lelièvre im Jahr 1960 gründete. Dies aber entspräche keineswegs den Tatsachen und würde dem Kolleg eine Rolle beimessen, die es in unserem Land niemals gespielt hat.

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Tatsächlich wurde bei uns, wie auch in Deutschland und den angelsächsischen Ländern, der Fuss schon immer als wesentlicher Bestandteil der Orthopädie betrachtet. So kam im Rahmen der SGO die Idee auf, die Kollegen zusammenzufassen, welche sich im Speziellen mit dem Fuss beschäftigen. Im Jahre 1969 wurde ich anlässlich eines Kongresses in Sitten gebeten, das Thema „Vorfuss“ vorzubereiten und zu strukturieren.

Zu dieser Zeit gab es innerhalb der Schweiz noch sehr unterschiedliche therapeutische Konzepte in der Fussbehandlung. Jedoch waren sie vor allem weit entfernt von den dogmatischen Ansichten, welche die Mitglieder des CIP von Jean Lelièvre vertraten und die sie zum Gespött der grossen Meister der französischen Orthopädie machten.

Da ein sich Kongress dadurch definiert, das s er Forum für den Meinungsaustausch sein soll (wobei Konfrontationen durchaus zu einer Weiterentwicklung beitragen können), wurde Jean Lelièvre zum Kongress nach Sitten eingeladen. Wir erwarteten uns eine Menge von der Diskussion über seine Thesen. Jedoch verstarb er einige Wochen vor dem Kongress und musste kurzfristig von Robert Méary, dem Verfechter einer entgegengesetzten Doktrin, ersetzt werden, die Professor A.N. Witt im Namen der Münchener Schule „auszugleichen“ versuchte.

Nach der Publikation über den Vorfuss, in der die unterschiedlichen Ansichten eineinhalb Jahre später aufgearbeitet wurden, entwickelte sich bei den Orthopäden in der Schweiz allmählich ein Bewusstein, dass sie sowohl in der Fussbehandlung wie auch in anderen Bereichen ins Kreuzfeuer der Sprachen und der Konzepte der sie umgebenden Länder geraten waren. Um sich Klarheit zu verschaffen, war notwendig, diejenigen zu unterstützen, die sich ausführlicher mit diesem Teil des Bewegungsapparates beschäftigten.

So wurde ich drei Jahre später, Ende 1974, auf Initiative von H. Fredenhagen und des Vorstandes der SGO sowie des Consilium Orthopaedicum und fünf ehemaliger Präsidenten der SGO beauftragt, eine Arbeitsgruppe mit Schwerpunkt ‚Fuss’ ins Leben zu rufen und zu leiten, an der alle orthopädischen Einrichtungen des Landes eingeladen waren, sich zu beteiligen.

Die ausdrückliche Bitte von Dr. A. de Wulf (Präsident des CIP), in der Schweiz eine autonome Gesellschaft für Fussmedizin und -chirurgie zu gründen, war somit abgewiesen. Jedoch wurde auf Anhieb zugestanden, diese Arbeitsgruppe auch für Kollegen anderer Fachgebiete zu öffnen, um ihr Nachteile zu ersparen, sollte sie sich eines Tages dem Internationalen Kolleg für Fussmedizin und -chirurgie anschliessen wollen.

So wurde der „Studienkreis Fuss“ am 30. Mai 1975 anlässlich des Kongresses der Gesellschaft für Orthopädie in Solothurn gründet. Seine 12 Gründungsmitglieder waren: M. Barbier, R. Baumgartner, H.U. Debrunner, A. Gächter, N. Gschwend, L. Nicod, M. Mesgarzadeh, H.R. Meyer, F.A. Naghachan, P. Scholder, W. Taillard, C. Urscheler, zu denen sich recht bald D. Pelet und Th. Tank hinzugesellten. Während der folgenden vier Jahre hatte ich verschiedene wichtige Tätigkeiten inne. Ich wurde in den Protokollen abwechselnd als Koordinator, Ve rantwortlicher, Vorsitzender, Obmann, etc. bezeichnet, mit den Aufgaben eines „Animateurleitersekretärschatzmeisters“.

Dr. de Wulf war bestens über unsere Aktivitäten informiert, und wir erwarteten, dass uns das CIP die kalte Schulter zeigen und es uns schwer machen würde, mit den Verantwortlichen in Kontakt zu treten, die uns anscheinend interessante Informationen zuschanzen konnten. Aber das Kolleg spielte ganz im Gegenteil nicht den Spielverderber und lud uns 1975 umgehend an seinen Kongress in Brüssel ein, zu dem wir zahlreich erschienen und wo uns sogar die Ehre erwiesen wurde, freundlich empfangen und gleichberechtigt mit den teilnehmenden nationalen Gesellschaften behandelt zu werden. Die Würfel waren gefallen .und da das, was wir zu sagen hatten, auf dem Kongress zum Glück gut ankam, wurde der „Studienkreis Fuss“ zum Schweizer Partner des CIP ernannt.

Nachdem wir ein weiteres Mal feststellen mussten, wie leicht sich die medizinischen Ansichten der unterschiedlichen Regionen und Kulturen widersprachen, nur weil den gleichen Worten nicht die gleiche Bedeutung beigemessen wird, machte sich der Schweizer „Studienkreis Fuss“ zunächst zur Aufgabe, seine Sprache unter die Lupe zu nehmen und zu vereinheitlichen. So wurde bei einer Versammlung in Bern am 29.11.1975 (anlässlich einer Fortbildung der SGO) „Der schmerzende Fuss“ von Antoine Denis, erschienen bei Documenta Geigy, mit drei bis vier kleinen Änderungen als Referenzglossar anerkannt, und fortan jedem neuen Mitglied ein korrigiertes Exemplar dieser Arbeit ausgehändigt. Das darauf folgende Treffen war verbunden mit dem Kongress der SGO in St. Gallen im Mai 1976. Eine ganze Reihe im Ausland gesammelter Errungenschaften sollten hier präsentiert werden, bevor die Entscheidung gefällt werden sollte, wohin uns in diesem Jahr unsere erste Studienreise führen würde… – Aber durch das umfangreiche Programm des Kongresses der Gesellschaft für Orthopädie wurde aus diesem Treffen lediglich ein Briefing von fünf Minuten, während dessen dem Koordinator das Vertrauen ausgesprochen wurde, und man beschloss, sich in Barcelona bei Professor Antonio Villadot wiederzutreffen.

Fünf Monate später trafen sich sechs der ursprünglich fünfzehn angemeldeten Mitglieder in Barcelona und logierten gegen ein geringes Entgelt im schönen Haus des Verbandes für Medizin. Vom 3. bis 9.10.1976 konnten sie Schritt für Schritt das Tagesgeschäft dieses Meisters der Fusschirurgie verfolgen, der sie ohne Gegenleistung an seinem Wissen teilhaben liess. So hatten sie Gelegenheit zu verfolgen, das s er den Hallux Valgus nach Keller-Lelièvre operierte und dabei eine zusätzliche Verankerung an der Zehenbeugesehne verwendete, dass er die Mittelfussausrichtung nach Lelièvre über die Fusssohle ausführte, dass er die klassische Korrektur des Klumpfusses durchführte und widerspenstige Plattfüsse mit einer Arthrodese des oberen Sprunggelenks aus körpereigenem Material oder Solastic behandelte. Wie alle hochrangigen Orthopäden, zeigte er seine „Tricks“ ganz ohne zu zögern, eröffnete uns ausführlich alle seine therapeutischen Indikationen und erlaubte uns, die Resultate zu überprüfen. Schliesslich gab er uns noch Einblick in ein laufendes Forschungsunternehmen, das von seinem Bruder geleitet wurde und die Entwicklung eines physiologisch einwandfreien und für den sportlichen Einsatz geeigneten Schuhs ohne Verstärkung der Sohle verfolgte. – Sechs ausgefüllte Tage, in denen wir auf bemerkenswerte Art und Weise aufgenommen, unterwiesen und versorgt wurden.

Dann kam die SSP-Fortbildung in Lausanne (13.11.1976), die Professor L. Nicod anlässlich des 100. Jahrestages der Orthopädischen Klinik in der Westschweiz dem Thema „Fussprobleme in der täglichen orthopädischen Praxis“ gewidmet hatte. Die Mitglieder der „Studiengruppe Fuss“ hatten dort die Möglichkeit, einige Ansichten kennen zu lernen, die teilweise recht gespalten waren, jedoch leider nicht ausdiskutiert werden konnten. Es ging um Fragen der Gelenkphysiologie sowie der Druckverteilungsmessung an der Fusssohle, d.h. um die Behandlung des Hallux Valgus, des Klumpfusses, des diabetischen Fusses und Metatarsalgien.

Nach der enttäuschenden Versammlung in St. Gallen hatte der „Studienkreis Fuss“ beschlossen, künftig auch unabhängig dieser Kongresse zu tagen. So traf man sich am 5.2.1977 in Bern, wo H.U. Debrunner für uns im Hörsaal der Maurice Müller Stiftung eine Auswahl der statischen und dynamischen Untersuchungstechniken des Fusses vorbereitet hatte.

Das Programm führte uns von der Erstellung eines Podogramms, den Schnelldurchlauf eines Films über Elektromyographie und Elektromyokinesigraphie, über den Umgang mit einem Goniometer zur Gelenkwinkelbestimmung sowie der Messung des Druckverteilungsmusters mittels Radiotelemetrie bis hin zur dreidimensionalen computergestützten Analyse von Einschränkungen der Gelenkbeweglichkeit.

So war dieser Tag selbst für den Praktiker ohne hochmoderne Einrichtungen voller Erkenntnisse, und wenn es auch nur die Demonstration war, welche Belastung der auf Krücken laufende Patient unwissentlich im Augenblick des Abstosses auf seinen Fuss ausübt oder der Hinweis auf die Notwendigkeit der Fusswurzel-Stabilisierung bei Sportläufern.

Darauf folgten die Tage von Dijon vom 2. bis 4.3.1977 in der Klinik von Professor Piganiol, wo Dr. H. Voutey einen ausserordentlich interessanten Vortrag von hohem Niveau über Fusschirurgie hielt und eine Reihe Patienten mit einer Vielfalt an Erkrankungen der Füsse vorstellte, die in eine Operation eingewilligt hatten. Sie wurden von mehr als zehn verschiedenen Chirurgen operiert, die eingeladen worden waren, ihre persönlichen Techniken in einer direkten Übertragung via Monitor vorzustellen.

Dort sah m an die Behandlung des Hallux Valgus nach Keller-Regnauld, die Ausrichtung des Mittelfusses mit dia-epiphysärem Wiedereinschluss nach selbigem Bernard Regnauld, die laterale Hammerzehkorrektur mit distaler Tenotomie der Beugesehne, eine Operation von McBride, eine Silastic-Stiftimplantation bei Hallux Rigidus, eine basale Osteotomie zur Wiederaufrichtung der drei ersten Mittelfussknochen bei Metatarsalgien, eine Arthrodese des oberen Sprunggelenkes zur Stabilisierung eines gelähmten Fusses, eine posttraumatische Arthrodese zur Verblockung des Fussknöchels und eine Versteifung des s pastischen Fusses. Dem voraus ging die Vorstellung der Krankengeschichten und die Darlegung der Methoden, die zur Anwendung kommen würden sowie eine Anzahl biomechanischer, pathogenetischer und klinischer Vorführungen. Innerhalb von drei Tagen erhielt man Aufschluss über den Wert und die Vorteile dessen, wofür man sonst sechs bis acht chirurgische Zentren hätte aufsuchen müssen. Ein Grossteil der Mitglieder des „Studienkreises Fuss“ liess sich das nicht entgehen, wohlwissend, dass auch die Küche im Burgund nicht zu verachten ist.

Beim Kongress der französischen Gesellschaft für Fussmedizin und -chirurgie am 5. März in Lyon zum Thema Metatarsalgien war die Abordnung des „Studienkreises Fuss“ allerdings schon etwas zusammengeschmolzen. Unsere praktizierenden Ärzte konnten ihre Patienten nicht zu lange alleine lassen, und einen Monat später standen schon wieder andere Festlichkeiten auf der Tagesordnung.

Im Anschluss an ein Nomenklatur-Seminar unter der Schirmherrschaft des CIP, das in Alba von 4. bis 7. 6.1977 stattfand und bei dem zwei Mitglieder des Studienkreises die Resultate unserer Arbeiten vorstellten, nahm der „Studienkreis Fuss“ am 12. Kongress des Internationalen Kollegs für Fussmedizin und –chirurgie vom 9. bis 12.6.1977 in Turin teil (Tarsalgien – Eigenschaft des Gangs beurteilt nach Energieaufwand – Fersenbeinfraktur). Bei diesem Kongress bot sich noch eine dreitägige, ergänzende Studienreise nach Alba zu Professor Pisani an (Pressopodostatigraphie / Basale Os Metacarpale I-Osteotomie / Verdienste der V-Osteotomie der Basis intermediärer Metatarsalia / Funktionelle Längsunterteilung des Fusses mit reziproker Freisetzung des Sprungbeins und des Fersenbeins , etc.)

Wenn man sich ins Ausland begibt, läuft man auch Gefahr, in eine Falle zu geraten. So kam es, dass der „Studienkreis Fuss“, als er selber noch kaum strukturiert war, sich gezwungen sah, einen Gegenbesuch der Gruppe aus Piemont von Professor Pisani zu organisieren und zu begleiten und zwar bei Balgrist, W. Schulthess und Felix Platter (10.-12.10.1977).

Das darauf folgende Jahr war ebenso fruchtbar, jedoch für unsere Mitglieder vielleicht noch hervorstechender. Die Tagung des „Studienkreises Fuss“ am 4.2.1978 in Fribourg zum Thema Behandlung des Hallux Valgus blieb noch lange im Gedächtnis der Teilnehmer haften als ein Symbol für die Weitergabe von Erfahrungen Einzelner an die Gemeinschaft. Ohne jegliche Formalitäten konnten gut dreissig Kollegen ihre Überzeugungen, Begeisterung und Enttäuschung austauschen, als sie in vier Stunden etwa fünfzig Fragen durcharbeiteten, die sie im Vorfeld mehrere Monate lang in Ruhe hatten überdenken können. Das Resultat, das in Form eines gemeinschaftlichen Berichts in ‚Chirurgia del Piede’ veröffentlicht wurde, hat lange Zeit Erstaunen hervorgerufen und ist noch zehn Jahre später nicht ganz überholt.

Der Kongress der SGO im Jahr 1978 ging im ersten Kongress der Union der Chirurgischen Gesellschaften unter, den H. Fredenhagen an der Mustermesse in Basel organisiert hatte. Das Thema unter der Schirmherrschaft von A. Debrunner „Resultate nach 10 Jahren orthopädischer Behandlung“ hatte einen unglaublichen Erfolg. Selbstverständlich war auch der Fuss hier vertreten, und nicht wenige unserer Leute hatten hierzu massgeblich beigetragen.

Zusätzlich zur Teilnahme am Nomenklaturseminar des CIP in Alba über Eigenschaften und Definition des normalen Fusses verliess der „Studienkreis Fuss“ dann erneut das Heimatland für eine dritte Studienreise (25.-30.09.1978). J.-M. Meyer organisierte die Reise hervorragend – fünfzehn Teilnehmer reisten nach Nantes, Rennes und Paris, zu Bernard Regnauld und Pierre Grassin, dann ins Hôpital Cochin, wo die Reisenden ebenfalls sehr herzlich von Prof. G. Maurer und Prof. B. Tomeno aufgenommen wurden. Wir erlebten zwei sich ergänzende Konzepte der Fusschirurgie, die sich aus mehr oder weniger entgegengesetzten Bedingungen, einerseits in einer Privatpraxis und andererseits im routinierten Universitätsablauf, ergaben: 1. Eine Glanzleistung aus angemessener Kühnheit in Verbindung mit der Beherrschung einer sich ständig verändernden Chirurgie des Vorfusses, so wie es die Vorführungen in Dijon schon erahnen liessen und 2. eine vernunftbetonte, systematische und überlegte Arbeit, fast immer langfristig angelegt, verbunden mit der Weigerung, die zu hinterfragenden Variablen zu vermehren. Kurz: Ein höchst bereichernder Kontrast.

Da das Internationale Kolleg für Fussmedizin und –chirurgie als Gesprächspartner für orthopädische Fusschirurgie anerkannt war, nahm der „Studienkreis Fuss“ im Rahmen der Internationalen Gesellschaft für Orthopädie am SICOT Kongress in Kyoto (15.-20.10.1978) mit einer französisch-schweizerischen Präsentation zu Metatarsalgien teil.

Zum Abschluss des Jahres beteiligte sich eine grosse Delegation des „Studienkreises Fuss“ am 8. und 9.12.1978 am internationalen Kolloquium in Charleroi über die Behandlung des Hohlfusses einerseits und das sinus tarsi Syndrom andererseits. Zwei Themen, zu denen wir einiges beitragen konnten.

Da die Versammlung in Fribourg so erfolgreich war, wollten wir sie im folgenden Jahr auf dieselbe Art und Weise wiederholen. Bei der Zusammenkunft des „Studienkreises Fuss“ am 3.2.1979 im Balgrist wurden ebenso präzise wie nuancierte Antworten auf die Problematik der Metatarsalgien gegeben. Da aber die Zuhörerschaft gespickt war mit Beobachtern aller Gebiete, angezogen von einer etwas übertriebenen Lokalwerbung, fühlten sich einige unserer Mitglieder gestört von der eher steifen Atmosphäre und konnten nicht die ungezwungenen Gespräche führen wie im Jahr zuvor. Das Thema warf etwas weniger Fragen auf und es war erschöpft. Unsere Leute kehrten nach Hause zurück mit dem Eindruck, vielmehr Zuschauer als Teilnehmer gewesen zu sein und sie behielten diese Tagung nicht annähernd so lebendig in Erinnerung wie vorherige.

Vom 4. bis 10.3.1979 wurden einige Beobachter zum sportmedizinischen Symposium in Font-Romeu in den Pyrenäen entsandt, während andere zum dritten fusschirurgischen Lehrgang von B. Regnauld in Nantes (8.-10.3.1979) reisten. Zwei Monate später besuchten wir den Kongress der SGO in Ermatingen Wolfsberg (24.-26.5.1979) mit dem Thema „Traumatische Fussläsionen“. Obwohl ein Mitglied des „Studienkreises Fuss“ an der Organisation einer Diskussionen beteiligt war, kam es erst gar nicht dazu. Man verstrickte sich in trockenen Präsentationen, denen eine Unmenge von Details gegenüber gestellt wurden, die sich nicht ineinander fügen liessen und zu unserem Bedauern ergab sich keine Gelegenheit einer bereichernden Auseinandersetzung.

In der Abfolge der Veranstaltungen dieses Jahres war nun der Kongress des CIP in Eastbourne an der Reihe (5.-9.6.1979), bei dem wir zahlreich vertreten waren, um zu sondieren, was die Engländer uns zu bieten hatten und um unsere Fähigkeit zu testen, uns auf Englisch zu den Themen ihrer königlichen Majestät verständlich zu machen… Gleich imAnschluss reisten zwei Delegierte nach Graz zum Kongress der Österreichischen Orthopädischen Gesellschaft (14.-16.6.1979), der krankhafte Fussbeschwerden zum Thema hatte, wobei es für uns aber nicht eindeutig war, ob es auch wirklich allen Teilnehmern darum ging.

So hatte die „Studiengruppe Fuss“ es innerhalb von drei, vier Jahren in der Schweiz zu etwas gebracht, wobei die Anzahl ihrer Mitglieder rapide von 25 auf 32 dann 37 und schliesslich 43 angestiegen war, während sie im Ausland den Ruf von Elan und Korpsgeist erlangt hatte. Tatsächlich war der grösste Teil ihrer Mitglieder in kürzester Zeit sehr ausführlich über die in Europa praktizierte Fussorthopädie informiert und die in Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und Grossbritannien geschlossenen Kontakte gereichten jedem Einzelnen zum Vorteil.

Nun, da der Zug einmal angerollt war, genügte es, ihn am Laufen zu halten und den Fahrplan einzuhalten, was kaum ein Problem darstellte, dank der Vorteile aus der Zugehörigkeit zur Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie (freie Verfügung über das Bulletin der SGO, Möglichkeit von Prospektbeilagen, garantierte Glaubwürdigkeit bei Herausgebern und anderen Fachleuten der Kommunikationsbranche, Tagungsorte, finanzielle Unterstützung für bestimmte Aktionen, moralische und finanzielle Bürgschaft, Möglichkeit, sich unerwünschtem Druck von aussen zu entziehen, etc.). All das hat der „Studienkreis Fuss“ dankbar annehmen können, ohne sich je „von oben herab behandelt“ gefühlt zu haben. Unsere an den Vorstand der SGO gerichteten Gesuche wurden wohlwollend und mit Vorschusslorbeeren versehen angenommen.

Es ging genauso erfolgreich weiter, es gab keinen Grund, sich zu beschweren. Abgesehen von den Fixpunkten einer jährlichen autonomen Versammlung, den SGO-Versammlungen (in denen regelmässig das Thema „Fuss“ behandelt wurde, wie auch in den APO-Tagungen) und weiteren vier oder fünf Kongressen, Tagungen, Konferenzen oder Auslandsseminaren, unternahm der „Studienkreis Fuss“ zudem Studienreisen ins Ausland – nach Deutschland, England, Schottland und schliesslich auch in die Vereinigten Staaten. Später sah er sich gezwungen, sich offener gegenüber Kollegen anderer Fachrichtungen zu zeigen, von denen sich einige nicht mehr damit zufrieden gaben, nur ewig Geladene zu sein und dann sogar Anstoss daran nahmen, dass sie der schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie als ausserordentliche Mitglieder beitreten mussten, um ein offizielles Teilnahmerecht zu erhalten. Auch in diesem Punkt zeigte sich die SGO bemerkenswert offen gegenüber den Problemen, mit denen sie konfrontiert wurde und gewährte den „Fuss-Fachleuten“ quasi eine vollständige Unabhängigkeit. Diese ging sogar so weit, dass sie ihre eigenen Statuten am 26.5.1979 modifizierte, um ihre Schirmherrschaft über den „Studienkreis Fuss“, mit all den genannten Vorteilen, festzuhalten.

So kam es, dass der „Schweizer Studienkreis Fuss“ im Jahr 1979 den Status eines autonomen Verbandes annahm, dessen erster Vorstand sich zusammensetzte aus P. Scholder (Vorsitzender), H.U. Debrunner (Vertreter CIP), H.R. Meyer (stellv. Vorsitzender) sowie H. Zollinger und D. Pelet. An diesem Punkt führte die Schwierigkeit, eine deutsche Entsprechung für den französischen Namen „GEP (Groupe Suisse d’Etude du Pied)“ zu finden, den Studienkreis schliesslich zu einer Überprüfung seiner offiziellen Bezeichnung und zur Annahme des Namens, den auch die anderen europäischen Gesellschaften für Fussmedizin führen.

Am 31.1.1981 nun unter dem Namen „Schweizerische Gesellschaft für Chirurgie und Medizin des Fusses“, liess sich der „Studienkreis Fuss“ ein gelungenes Logo erstellen, aus dessen Baum von Andry hervorgeht, dass es sich um eine Tochter der Schweizer Gesellschaft für Orthopädie handelt und dessen mit Lelièvre übereinstimmendes Motto die Verbindung zum CIP manifestiert. Von diesem Zeitpunkt an stellte die neue Gesellschaft ausserdem die Schatzmeister des CIP, die das Kolleg aus den roten Zahlen brachten. Am 28.8.1981 anlässlich der Versammlung des CIP in Sao Paulo, wo sich vierzehn Mitglieder einfanden, wurde dem Kolleg die fragwürdige Ehre zuteil vom 25. bis 28.9.1984 den XV Internationalen Kongress für Fussmedizin und -chirurgie in Lausanne zu organisieren und zu finanzieren (360 Personen, 280 Ärzte, 25 vertretene Nationen), der die Konten auf etwa 4 Franken zusammenschmelzen liess, trotz reduzierter Einschreibekosten und Verzicht auf jegliche externe Hilfe.

Noch andere Dinge sprechen vom Enthusiasmus, mit dem man sich daran machte, der neuen Gesellschaft ihre Form zu verleihen:

  • der Luxus eines sehr aufgeschlossenen, kulturellen Kongresses zum Thema „Der Fuss in der Kunst“, der am 31.1.1981 in Zürich für ein volles Haus sorgte
  • die Mitglieder in der anatomischen und chirurgischen Sektion zu schulen, als Vorbereitung zur Verbreitung bestimmter Techniken
  • wieder an unseren Ausgangspunkt zurückzukehren und jährlich Versammlungen im Vorfeld zu den üblichen Kongressen der Orthopädischen Gesellschaft abzuhalten.

Was gibt es noch zu den Anfängen der „Schweizerischen Gesellschaft für Medizin und Chirurgie des Fusses“ zu sagen?

  • dass die Versammlung in Bern am 2.2.1980 eine äusserst positive Erfahrung war, auf Grund der multidisziplinären Betrachtung von Durchblutungsstörungen im Fuss, die für jeden der zahlreichen Teilnehmer bereichernd war
  • dass der Venel-Preis, der zum ersten Mal von der Schweizer Gesellschaft für Orthopädie verliehen wurde, am 30.5.1980 einem unserer Mitglieder, Dr. F. Hefti, für seine herausragende Arbeit über die Qualität des Gangs nach Arthrodese des Knöchels überreicht wurde,
  • dass im gleichen Jahr die SSMCP Studienreise nach Deutschland führte, wo neun erfahrene Mitglieder vom Empfang und der Qualität des von Professor Steinhäuser in Nürnberg vorbereiteten Programms begeistert waren, ganz im Gegensatz zu dem andernorts angetroffenen Formalismus
  • dass schliesslich, obwohl das Thema „Kniearthroskopie“ von Professor Livio in der SGO Fortbildung behandelt wurde, am 25.10.1980 in Orbe viele Fussfachleute dieses Jahr in Erinnerung an Jean André Venel gedanklich abschlossen

Über das Jahr 1981 habe ich ja schon ausführlich geschrieben, und ic h begnüge mich damit, hier die Versammlungen in Zürich, Lech am Arlberg (Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Fusschirurgie), Charleroi, Sao Paulo (CIP) und Rio de Janeiro (SICOT Kongress) ins Gedächtnis zu rufen, welche die wichtigsten Perlen im Collier dieses Jahres darstellten, bevor ich, am 23.1.1982, all denen danken möchte, die mich sieben Jahre lang so grosszügig darin unterstützt haben, unsere schweizerische Gesellschaft für Chirurgie und Medizin des Fusses zu leiten.

P. Scholder


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